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Praxis für Mentale Gesundheit & Ernährungspsychologie

Wenn Du auf Schokolade verzichtest...

Aktualisiert: 26. Sept. 2023



Ich liebe Schokolade, Du auch? Okay, wir sind uns vielleicht einig.

Isst Du eigentlich so viel Schokolade, wie Du möchtest oder bist du eher sparsam damit, weil Du Kalorien sparen möchtest oder Angst hast, dick zu werden?

Und dann überkommt es dich manchmal... ganz plötzlich isst Du mehr Schokolade als Du wolltest und dann die ganze Tafel?


Welche Mechanismen dahinter stecken, erfährst Du in diesem Beitrag.


Wenn Du auf Lebensmittel verzichtest, musst Du dein Essverhalten kontrollieren. Dabei schränkst die Menge ein und vielleicht setzt Du dir sogar festgelegte Zeiten, in denen Du dir z.B. die Schokolade "erlaubst". Das Problem daran ist: durch die dauerhafte Kontrolle darüber, was, wann und wieviel Du isst, erhöht sich dein Verlangen nach genau diesen Lebensmitteln. Sie gehen dir gar nicht mehr aus dem Kopf! Vielleicht kennst Du das, wenn Du schon mal versucht hast, auf Schokolade zu verzichten.

Tatsächlich können viele Menschen diesen Zustand eine Weile aufrecht erhalten.


Aber wenn z.B. dein Alltagsstress steigt oder deine Freundin dir was von ihrer XL-Tafel Schokolade anbietet, kann es passieren, dass Du die Zügelung nicht aufrechterhalten kannst. Der Verzicht und die Emotionen entladen sich. Du greifst zu und isst plötzlich mehr, als Du dir vorgenommen hast. Nun ists ja eh egal! Manchmal kommt es auch zu einem starken Überessen bis zum Bauchweh oder zur Übelkeit. Bei vielen Menschen bleibt nach solchen Situationen das Gefühl des Kontrollverlustes und der Selbstverurteilung zurück. Sie denken: "Wieder war ich nicht diszipliniert genug!". Sie versuchen dann, den „Fehltritt“ durch erneute Kontrolle und Zügelung auszugleichen. Am besten gleich am nächsten Tag.


Ein richtig blöder Kreislauf beginnt, wenn Du auf Lebensmittel verzichtest, die Du eigentlich sehr gern isst.


Auf der Abbildung habe ich mal die typischen Stationen des Verzichts veranschaulicht.

Quelle: eigene Darstellung.

Mal anders betrachtet: Was bringt es dir eigentlich für deine mentale Gesundheit auf Schokolade zu verzichten? Außer einer kurzeitigen Kontroll-Euphorie nicht viel, wenn Du mich fragst. Es drängt sich doch die zynische Frage auf, ob die ganze Verzichtsspirale der Gesundheit nicht mehr schadet als die vereitelte Schokolade selbst.

Wenn Du dir Sorgen darüber machst, dass Du ständig und überall Süßigkeiten isst, dann kann die Lösung nicht sein, darauf zu verzichten.

Denn was passiert dann? Genau, Du isst am Ende noch viel mehr davon. Ich beobachte übrigens häufig bei meinen Klient:innen, dass sich das Körperbild mit jeden Verzicht-Zyklus verschlechtert, vom Selbstbild mal ganz abgesehen.


Wie kannst Du da nun rauskommen?

Verbiete Dir keine Lebensmittel mehr. Iss sie mit Genuss, mit allen Sinnen! Das wird sich vielleicht anfangs ziemlich komisch für Dich anfühlen, aber: aus der Psychologie wissen wir, dass durch die langfristige Präsentation eines Reizes (die Schokolade ;-) ), das Verlangen danach sinkt.

Du gewöhnst dich quasi daran und plötzlich ist sie gar nicht mehr so spannend. Man nennt dies auch Habituationseffekt. Viele meiner Klientinnen erzählen mir, dass sie plötzlich gar nicht mehr so viel Schokolade essen, seitdem sie sie sich erlauben. Einige Sorten schmecken ihnen auch gar nicht mehr, seitdem sie mal genauer hingeschmeckt haben. Das ist doch total spannend, oder?

Ein weiterer Vorteil der Schokoladen-Erlaubnis: Du bist den mentalen Ballast aus Verzicht, Zählen, Angst, Selbstzweifel und Vorwürfen los.


Um das aber nochmal klar zu betonen: es geht nicht darum, durch intuitives oder achtsames Essen die Schokolade "von hintenrum" zu eliminieren, weil man dann tendenziell bewusster und weniger davon isst. Es geht darum, dass Du Lebensmittel einfach essen und genießen kannst, ohne dass sie eine Aufgabe erfüllen müssen (Trost, Ausgleich, Kompensation usw.).


Zugegeben: Sich keine Lebensmittel mehr zu verbieten, ist ein richtig guter Anfang für ein entspanntes Essverhalten.


Langfristig ist es aber auch notwendig, sich näher mit seinen Mustern und Glaubenssätzen sowie der Diätkultur auseinanderzusetzen.



 

Bis bald,

Deine Melanie



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